Regen in Ellerhoop. Ausgerechnet kurz vor dem Treffen mit unseren Fotofreunden. Ich schaue aus dem Fenster und denke nur: Na toll, das kann ja heiter werden.
In Hamburg war es, so wie es sich für eine Hafenstadt gehört, noch ordentlich pustig. Aber je näher der Sonnenuntergang kam, um so mehr lockerte der Himmel auf und wir wurden doch noch mit schönen Farben belohnt.
Lange waren wir nicht mehr gemeinsam unterwegs, unsere kleine Fotorunde. Drei mit analogen Kameras, ich mit meiner Sony 6700, André mit seiner Sony A7III. Und schon nach den ersten Metern war klar: Genau das hat gefehlt. Zusammen loszuziehen, sich gegenseitig über die Schulter zu schauen, Motive zu entdecken, die man allein nie gesehen hätte, und zwischendurch über Dinge zu lachen, die nur beim gemeinsamen Fotografieren passieren.
Unsere Route: die Landungsbrücken hinunter bis zur Elphi, und zur blauen Stunde, die Speicherstadt. Aber dann sind wir ganz spontan doch erst noch in den alten Elbtunnel gegangen, was sich definitiv gelohnt hat. Auch wenn wir dann kaum noch Licht in der Speicherstadt hatten.
Was ich an diesem Abend gelernt habe: Man braucht kein Stativ und kein perfektes Licht, um gute Bilder mit nach Hause zu bringen. Man braucht vor allem Lust, loszugehen.
Farbe oder Schwarzweiß? Du entscheidest
Bevor es losgeht, noch ein kurzer Hinweis: In den Galerien unten siehst du immer wieder beides, Farbe und Schwarzweiß, manchmal sogar vom selben Motiv. Manche Bilder erzählen in Farbe ihre Geschichte, andere brauchen genau das Gegenteil, um zu wirken.
Gerade der alte Elbtunnel mit seinen Kacheln und Lichtreihen lädt geradezu dazu ein, ein und dasselbe Bild einmal in Farbe und einmal in Schwarzweiß nebeneinanderzustellen.


Schau selbst: Welche Version gefällt dir besser?
Der alte Elbtunnel: Wo ich mein Stativ noch einmal ausgepackt habe
Der alte Elbtunnel liegt direkt an den Landungsbrücken und führt unter der Elbe hindurch nach Steinwerder. Gebaut wurde er schon 1911, damit die Hafenarbeiter trockenen Fußes zu den Werften auf der anderen Seite kamen. Heute ist er vor allem wegen seiner Kacheln, der runden Röhrenform und des besonderen Lichts ein beliebtes Fotomotiv, gerade abends, wenn kaum noch jemand unterwegs ist und die Lampen an den Wänden ihr eigenes kleines Lichtspiel machen.
Ich habe dort tatsächlich noch einmal mein Stativ aufgebaut. Und mich damit ziemlich abgemüht. Ja, ich weiß, bei Langzeitbelichtungen und wenig Licht ist ein Stativ hilfreich. Ich stehe mir damit jedoch meist selbst im Weg.
Ich komme aus der Hundefotografie. Da wechselst du die Perspektive im Sekundentakt, gehst in die Knie, drehst dich, folgst einem Hund, der sich um kein Stativ der Welt schert. Mit einem Stativ im Elbtunnel zu arbeiten hat sich für mich also ziemlich schnell ziemlich umständlich angefühlt. André hatte von Anfang an ganz darauf verzichtet und ist einfach losgezogen. Ab den Landungsbrücken habe ich es dann auch nicht mehr ausgepackt.
Die Landungsbrücken: Schlagermusik und ein Himmel, der aufklart
Von den Landungsbrücken aus hast du einen der schönsten Blicke auf den Hafen und die Elbe, Schiffe, Kräne, Lichter, und wenn du Glück hast, einen Sonnenuntergang, der alles in warmes Licht taucht. Genau das hatten wir an diesem Abend.
Irgendwo in der Nähe muss eine Schlagerparty gewesen sein. Die Musik drang bis zu uns herunter, während wir am Wasser standen und fotografiert haben. Diese Mischung aus Hafenromantik und Schlagerklängen, dazu ein Himmel, der sich immer mehr aufhellte, das war eine Stimmung, die ich so schnell nicht vergessen werde.
Auch hier: kein Stativ. Nur die Kamera in der Hand, das Licht wurde schlechter, und ich habe einfach weiter fotografiert.
Was die Bilder von hier so besonders macht, habe ich allerdings erst am nächsten Tag richtig gemerkt. Dazu gleich mehr.
Speicherstadt zur blauen Stunde: Zu spät, aber trotzdem schön
In der Speicherstadt waren wir dann schon reichlich spät dran. Die blaue Stunde war fast vorbei, als wir zwischen den backsteinernen Fassaden und Brücken ankamen. Entsprechend kurz war unsere Zeit dort, und entsprechend übersichtlich ist die Zahl der Bilder aus diesem Teil des Abends.
[Galerie: Speicherstadt zur blauen Stunde, in Farbe und Schwarzweiß, kleinere Auswahl]
Trotzdem oder gerade deswegen: Wenn du selbst einmal die Speicherstadt zur blauen Stunde fotografieren möchtest, plane genug Zeit ein und geh früher los, als du denkst. Wir haben aus dem eigenen Zuspätkommen gelernt.
Die Überraschung kam erst am Sonntag
Am Sonntag haben wir die Bilder am PC gesichtet. Und da kam die eigentliche Überraschung des Abends.
Freihand fotografiert, bei schlechtem Licht, ohne Stativ, und trotzdem waren die Bilder scharf und gut belichtet. Ich hatte ehrlich gesagt mit deutlich mehr Ausschuss gerechnet.
Über analoge und digitale Fotografie könnte man jetzt seitenlang philosophieren. Ich mache das an dieser Stelle bewusst nicht. Unsere Fotofreunde waren mit analogen Kameras unterwegs, aber ich kenne weder ihr Equipment im Detail, noch kann ich euch ihre Bilder hier zeigen. Ein fairer Vergleich wäre das also nicht.
Was ich euch aber zeigen kann, ist unsere eigene Erfahrung: Mit den heutigen Digitalkameras kommst du auch bei schlechtem Licht und ganz ohne Stativ erstaunlich weit. André ist mit seiner Vollformat-Sony A7III und einem lichtstarken Zoomobjektiv unterwegs gewesen, selbst bei ISO 6400 war das Rauschen kaum ein Thema, und was noch da war, hat sich in Lightroom problemlos glätten lassen.
Bei mir war es etwas mehr Try and Error. Ich habe im Elbtunnel kurz mit einem alten Minolta-Zoomobjektiv experimentiert, in der Hoffnung auf ein paar ICM-Aufnahmen. Hat leider gar nicht funktioniert, die Bilder waren flau und ziemlich matschig. Mit meinem alten Meyer-Görlitz-Objektiv lief es schon besser, auch wenn ich finde, dass sein schönes Bokeh eher in der Natur zur Geltung kommt als im Tunnel. Am Ende bin ich auf meine einfache Sony-Festbrennweite umgestiegen, und die Bilder wurden spürbar schärfer, auch weil mir der Autofokus bei dem Licht sehr geholfen hat. Für die nächste Tour nehme ich definitiv mein Sigma Art mit, auch wenn es einiges mehr wiegt. Die Qualität ist einfach noch einmal eine andere Liga.
Und dann waren da noch unsere Handys. Dass die Kamera im Samsung S24 gute Fotos macht, wussten wir eigentlich schon. Trotzdem war ich wieder überrascht, wie gut die Bilder auch bei diesem Licht geworden sind.
Am Ende geht es aber gar nicht um das eine beste Objektiv oder die perfekte Kamera. Es geht darum, im Moment zu bleiben, spontan zu sein und einfach loszugehen, auch wenn das Licht schlecht ist und kein Stativ dabei ist.
Fazit: Acht Kilometer, volle Speicherkarte, leerer Magen
Der Rückweg hatte dann noch einmal seine ganz eigene Geschichte. Mit dem Bus sind wir spontan zur Haltestelle Hafentreppe gefahren, weil es dort angeblich die beste Pizza Hamburgs geben sollte. Leider war schon zu. Also zu Fuß weiter zur U-Bahn-Station Reeperbahn, mit dreißig Minuten Wartezeit beim Umstieg an der Elbgaustraße, bevor wir endlich unsere Autos in Thesdorf erreicht haben.
Rund acht Kilometer sind wir an diesem Abend zu Fuß durch Hamburg gelaufen. Mit voller Speicherkarte und leerem Magen, aber glücklich waren wir dann gegen 12.30 Uhr wieder zu Hause.
Das schreit nach einer Wiederholung.
